MX1, MX2, MXOpen und MXGP: Welche Klasse ist welche?
Zwei Motorräder tragen „250“ auf der Verkleidung und gehören trotzdem in verschiedene WM-Klassen. Die Erklärung führt durch Motorentechnik, wechselnde Namen und nationale Regeln.
Was sagt der Name eigentlich aus?
Wer im Rennkalender „MX2“ liest, braucht zuerst den Zusammenhang. Motocross ist die Disziplin: Motorradsport auf einem geschlossenen Geländekurs. Eine technische Klasse grenzt die zugelassenen Motorräder ein. Eine Meisterschaft verbindet Veranstaltungen durch gemeinsame Teilnahmebedingungen, Wertungen und einen Titel. Diese drei Ebenen beantworten unterschiedliche Fragen: Was wird gefahren, womit wird gefahren und um welchen Titel geht es?
Bei den ADAC MX Masters bezeichnet derselbe Name sowohl die gesamte Rennserie als auch deren größte Klasse. Im Programm stehen außerdem Youngster Cup, Junior Cup 125 und Junior Cup 85. Wer eine Ergebnisliste liest, sollte deshalb immer auch auf die Klassenüberschrift schauen. Ein Seriensieg und ein Laufsieg sind unterschiedliche Ergebnisse.
[1][2]Warum ist eine 250er nicht automatisch MX2?
Zweitakt und Viertakt beschreiben den Arbeitszyklus: zwei beziehungsweise vier Kolbenhübe. Die FIM gibt beiden Bauarten unterschiedliche Hubraumfenster. Nach den WM-Regeln 2026 passt eine 250er-Viertaktmaschine in MX2, eine 250er-Zweitaktmaschine dagegen in MXGP. Auch 350 cm³ Viertakt liegen im MXGP-Fenster. Hubraumzulässigkeit bedeutet weder eine bestimmte Motorleistung noch vollständige Startberechtigung.
[3]Wie aus 125 und 250 die Namen MX2 und MX1 wurden
Die alten Hubraumnamen erklären sich aus der Entwicklung der Weltmeisterschaft: Die 500er erhielt 1957 WM-Status, die 250er folgte 1962. 1975 kam die 125er-Weltmeisterschaft hinzu; Gaston Rahier gewann ihren ersten Titel. Damit standen drei Hubraumbezeichnungen nebeneinander, die bis heute in historischen Ergebnislisten auftauchen.
Der Wechsel von 2004 war mehr als ein neues Schild über derselben Zahl. Die bisherige 125er-Kategorie hieß nun MX2 und bot Raum für 250er-Viertakter. Ben Townley gewann die erste MX2-WM auf einer KTM 250 SX-F. Wer diese Maschine mit einer alten 125er-Ergebnisliste vergleicht, sieht deshalb die Verbindung zweier Regelgenerationen. Die historische Linie einer Meisterschaft ist keine unveränderte Hubraumvorschrift.
[4][5][6]Welche Regeln gelten bei MXOpen?
„Open“ muss zusammen mit dem Veranstalter gelesen werden. Das DMSB-Motocross-Reglement 2026 fasst darunter mehr als 100 bis 650 cm³ zusammen, für Zwei- und Viertakter. Das ist ein anderes technisches Feld als MXGP. Eine nationale Klassenbezeichnung lässt sich deshalb nicht ohne Prüfung in ein WM-Nennformular übertragen.
Auch die Titel bleiben getrennt: Die ADAC-MX-Masters-Klasse führt zum Internationalen Deutschen Motocross-Meister, die DM Open zum Deutschen Motocross-Meister Open. Ähnliche Motorräder oder dieselbe Rennstrecke machen diese Wettbewerbe nicht zu derselben Meisterschaft.
[7][8]Wie wird aus einzelnen Läufen ein Rennwochenende?
Das GP-Programm 2026 enthält freies und gezeitetes Training, ein Qualifikationsrennen über 20 Minuten plus zwei Runden sowie zwei Hauptrennen über jeweils 30 Minuten plus zwei Runden. Die Qualifikation ist dabei selbst sportlich relevant: Ihre ersten zehn Plätze bringen WM-Punkte. Eine einzelne schnellste Runde erklärt also noch nicht das Ergebnis eines Grand Prix.
Die DM Open schreibt dagegen zwei Läufe über 25 Minuten plus zwei Runden vor. Bei den ADAC MX Masters sind drei Wertungsläufe vorgesehen. Zuschauer sollten deshalb vor dem ersten Start den konkreten Zeitplan öffnen: „Motocross-Wochenende“ bezeichnet keinen überall identischen Ablauf.
[9][8][10]Was bedeutet das für den eigenen Start?
Die richtige Hubraumklasse ist nur ein Teil der Vorbereitung. Der ADAC verlangt geeignete nationale oder internationale Motocross-Lizenzen; eine FIM- oder FIM-Europe-Lizenz allein genügt für die Masters-Serie ausdrücklich nicht. Ausländische Fahrer ohne DMSB-Lizenz benötigen zusätzlich eine internationale Startgenehmigung. Die Auswahl beginnt deshalb bei der konkreten Ausschreibung, gefolgt von Klasse, Lizenz und Nennung. Ein Meisterschaftseintrag belegt auch kein freies Trainingsangebot der Strecke.
[10]Klassen im Vergleich
| Klasse / Regelwerk 2026 | Zweitakt | Viertakt | Beleg |
|---|---|---|---|
| MX2 · FIM-WM | über 100 bis 125 cm³ | über 175 bis 250 cm³ | [3] |
| MXGP · FIM-WM | über 175 bis 250 cm³ | über 290 bis 450 cm³ | [3] |
| Open · DMSB | über 100 bis 650 cm³ | über 100 bis 650 cm³ | [7] |
| Masters · ADAC MX Masters | über 100 bis 650 cm³ | über 100 bis 650 cm³ | [2] |
Wie sich die Namen entwickelt haben
- 1957
500er-WM
Die 500er-Meisterschaft erhält WM-Status. Die späteren Klassenbezeichnungen existieren noch nicht.
[4] - 1962
- 1975
125er-WM
Gaston Rahier wird erster 125er-Weltmeister. Die drei klassischen Hubraumkategorien sind damit komplett.
[5] - 2004
MX2, MX1 und MX3
125 wird MX2, 250 wird MX1; aus der bisherigen 500er-Klasse wird die offene MX3. Das ist die damalige Neuordnung, keine heutige Open-Definition.
[9] - 2014
MXGP ersetzt den WM-Namen MX1
Die höchste WM-Kategorie tritt unter dem Namen MXGP an. Nationale Serien können MX1 weiterhin anders verwenden.
[11]
Genau hinsehen
„MX1 ist eine zusätzliche aktuelle WM neben MXGP.“
In der hier beschriebenen WM-Geschichte ist MX1 der frühere Name der heutigen MXGP-Kategorie. Dass ein nationales Programm MX1 nennt, belegt keine zweite gleichnamige Weltmeisterschaft.
[11]„Open bedeutet ohne technische Grenzen.“
Schon die DMSB-Hubraumgrenze widerlegt das. Open bezeichnet ein geregeltes Starterfeld. Andere Verbände und Wettbewerbe benötigen ihre eigene Definition; ein vermeintlich passender Klassenname ersetzt keine technische Prüfung.
[7]Originalquellen & Reglemente
- DMSB Motocross: Disziplin und offizielle Regelwerke ↗Geprüft: 2026-11-07
- ADAC MX Masters Serienreglement 2026, Art. 6 (Fassung 01.04.2026) ↗Geprüft: 2026-11-07
- FIM Motocross Technical Regulations 2026, Art.01.07 (18.02.2026; offizielle SMF-Veröffentlichung) ↗Geprüft: 2026-11-07
- FIM History & Heritage: From 1904, Short History ↗Geprüft: 2026-11-07
- MXGP: Belgian Legends – Gaston Rahier und der erste 125cc-WM-Titel ↗Geprüft: 2026-11-07
- MXGP Vintage Bike: Ben Townley 2004 KTM 250 SX-F ↗Geprüft: 2026-11-07
- DMSB Motocross-Reglement 2026, Art. 2.3 Klassen (07.01.2026) ↗Geprüft: 2026-11-07
- DMSB Prädikatsbestimmungen Motocross 2026, Art. 6 und 9 (13.04.2026) ↗Geprüft: 2026-11-07
- MXGP Official Guide 2026, S. 137 (Klassengeschichte), 154 (GP-Programm) ↗Geprüft: 2026-11-07
- ADAC MX Masters: Infos für Fahrer 2026 – Lizenzen, Klassen und Läufe ↗Geprüft: 2026-11-07
- MXGP: Simpson and Pocock sign for 2014 – zeitgenössischer Beleg der MX1/MXGP-Umbenennung ↗Geprüft: 2026-11-07